„Wie lange will sie denn noch trinken?!“ oder: das Thema Stillen – einige Insights

Stillen… ähnlich wie Tragen – komplett von mir unterschätzt. Ich war so im vierten Monat oder so schwanger und mit einem guten Freund essen. Er ein ganz engagierter Papi, prophezeite mit, dass ich ein Jahr lang circa stillen würde.

Ausgelacht habe ich ihn… Ich will meinen Körper ganz schnell zurück. Gibt doch super Milchpulver. Ich selber wurde nur 6 Wochen gestillt und lebe ganz wunderbar damit…

Hm ja… als erstes Mal: Ich war gesegnet. Bis auf minimale Anlaufschwierigkeiten klappte das Stillen bei uns super easy und von Anfang an. Durch viele Gespräche, meine bekannte „Blog-Lese-Lust“ und auch einige Infos von Freundinnen und Co. weiß ich mittlerweile das allein das weder selbstverständlich noch beeinflussbar ist.

Ähnlich wie mit dem Wachstum des Bauchs oder der Tatsache, ob man ein Schreikind kriegt oder nicht, kann man das nur schwer steuern.

Man muss einfach mit den Gegebenheiten dealen, die einem das Leben so bietet.

Ich habe viel gestillt. Und lange. Oft saß ich da und dachte „boah, wie lange will sie denn noch trinken“. Am Anfang jede Seite 20 Minuten. Alle 3 Stunden. Da hat man mit anschließendem Wickeln, selber was essen und trinken etc. wirklich kaum Zeit etwas anderes zu tun!

Gefangen im Still-Knast. So kam es mir manchmal vor!

Aber dann wurde es irgendwann besser. Die Abstände größer. Ihr Bauch ein wenig größer, so dass mehr Milch reinpasste. Sie insgesamt kräftiger und stärker, so dass sie schneller trinken konnte.

Da war wieder Zeit für was anderes. Und man konnte das Haus verlassen ohne mit der latenten Panik im Supermarkt zu stehen, dass man jetzt gleich zwischen Wursttheke und Keksregal wieder den Busen rausholen muss. Das war nie so meins…

So nach 2 Monaten hatten wir uns aber ziemlich gut eingegroovt. Ich weiß noch… wir waren Silvester auf Sylt. Abends sogar mit Freunden mal was essen oder trinken. Und Ava war einfach dabei. Auf meinem Arm. Ich hatte einen großen kuscheligen Poncho. In dem lag sie eingekuschelt. Hat manchmal was getrunken. Viel geschlafen. Und nachdem ich kapiert hatte, dass es niemanden interessiert was ich hinter dem Schal tue und ob mein Busen rausguckt oder nicht, konnte ich mich auch entspannen.

Es ist ja auch so: Je mehr Gedöns man um das Stillen in der Öffentlichkeit macht, desto mehr Aufmerksamkeit erzeugt man. Aufstehen. Tuch auf der Schulter platzieren. Theatralisches Aufknöpfen und schwingendes Einwickeln in den „Stilschal“ – bis dahin hat der letzte Gast im Restaurant begriffen, dass es gleich nen kleinen Drink gibt.

Dank einiger lieber Freundinnen, die schon länger im Still-Business sind, habe ich mich einfach immer so angezogen, dass man easy im Sitzen stillen kann und niemand irgendwas mitbekommt.

Der Trick: Still BH. Da drüber ein kleines Top (ich hatte normale H&M Trägertops, die ich auch sonst trage), bei dem man den Ausschnitt runterziehen kann. Da drüber eine Bluse mit Knöpfen oder ein Pulli, denn man easy hochschieben kann. Das Gute an dem 2-Lagen-Look: Man ist nie nackt. Schiebt den Pulli nach oben oder die Bluse zur Seite und hat dann das Top. Am besten gehts echt mit der Pulli+Top Kombi. Dann bedeckt der Pullover oben und das Top unten und man sitzt nicht mit nacktem Dekolleté oder Bauch im Café. Und in der Mitte kann das Kind vollkommen entspannt trinken.

Nachdem ich das gelernt hatte, war alles gut.

Und stillen ist ja SO praktisch. Man hat immer alles dabei. Die Temperatur stimmt. Es ist keimfrei. Muttermilch ist ein Wahnsinnszeug. Wenn Krankheitserreger in der Luft rumschwirren und wir schon Antikörper haben, baut der Körper diese in die Muttermilch ein. So ist das Baby immer top geschützt. Und die ersten Schlucke die das Kind nimmt, sind immer eine eher wässrige Lösung zum Durst löschen. Danach kommt erst die fettere Milch zum Ernähren. Crazy, oder?

Unten habe ich Euch einige Links dazu hinterlegt. Aber ich bin immer noch völlig geflasht, was unser Wunderkörper alles kann.

Aber ganz wichtig: Wenn das Stillen nicht klappt (oder Ihr nicht stillen möchtet) – dann ist das auch völlig ok. Ja – Stillen ist toll! Und gesund! Und easy! Und günstig! Und beugt Allergien vor! Und fördert die Bindung! ABER Euer Kind kann genauso liebevoll gebunden sein und gesund aufwachsen, wenn Ihr es mit einem Muttermilch-Ersatz füttert.

Lasst Euch von der Still-Mafia nicht verrückt machen! Die findet Ihr garantiert auch noch! Beispielsweise wenn Ihr googelt. Wenn Ihr an die falsche Hebamme geratet. Wenn Ihr über-engegierte Freundinnen habt (die es im Zweifel nur gut meinen). Es gibt Menschen die bauen einen wahnsinnigen Druck um das Thema Stillen auf. Tun so als sei es eine Religion. Wie lange man stillt. Wie oft man stillt. Wann man abstillt.

Und dann: Ruhe bewahren!

Ihr kennt mich schon ein bisschen: Das wichtigste ist: Es muss sich für Euch und Euer Kind richtig anfühlen! Und jede Studie, jedes Experteninterview und jeder Rat – auch dieser hier – bezieht den wichtigsten Faktor nicht mit ein: Dich und Dein Baby! Nur Ihr zwei müsst das Thema dealen!

Und dann auch noch ein Wort zur Stilldauer. Es gibt Frauen die stillen 3, 6 und 12 Monate. Auch länger. Alles easy. Soll jede so machen, wie sie mag.

Bei uns war es ein relativer Selbstläufer. Ava hat wie gesagt ziemlich gut Brei gegessen. (Details siehe hier) Daher habe ich nach rund 8 Monaten nur noch abends, nachts und morgens gestillt und hatte somit mein tägliches Leben und meine Freiheit wieder. Da war mittags auch mal ne Weißweinschorle drin.

Einer meiner liebsten Sätze war: „Ich saufe nur mittags, abends geht noch nicht“ 🙂

Circa ab September hatte ich dann keine wirkliche Lust mehr. Und ich merkte auch, dass Stillen einfach sehr zehrt. Mir tat morgens alles weh. Ich fühlte mich als hätte ich schlimmstes Rheuma und egal wie viele Vitalstoffe ich einwarf – ich war schlappi schlapp schlapp.

Wie man hier raushört, war ich ja auch nie ein absoluter Still-Liebhaber. Ich fand es immer praktisch und kuschelig. Aber ich habe das nie gebraucht, um meiner Tochter nah zu sein. Das gibt auch anders! Es war einfach nur pragmatisch. Und irgendwie auch alternativlos.

Doch wenn man merkt, das jetzt genug ist, muss man sofort was tun!

Einer der Schlüsselmomente war, als Ava anfing Wurst zu essen. Jemand der morgens Wurst ist, muss nicht mehr gestillt werden. UAH!

Also haben wir angefangen Ihr morgens nach dem Aufwachen eine Milchflasche zu geben. (zum Thema „Milch“ muss ich dringend noch was schreiben 🙂 )

Diese eine Flasche hat schon mal geholfen aber klar – ich wollte mehr. Durch Impfung, Erkältungszeit und Co. haben wir dann tatsächlich noch etwas gebraucht. Aber im Dezember war Ava abgestillt.

Auf einmal gab es einfach auch abends  eine Milchflasche und großartigerweise nahm sie die sogar von mir. Verrückt! Die ersten Male hat sie immer noch ganz kurz den Busen gesucht und dann aber ganz lieb die Flasche genommen und nach knapp 1 Woche war das Thema durch!

Ein Riesen-Glück.

Wie war das mit dem Stillen bei Euch?

Hab Ihr gerne gestillt? Und wie lange? Und wie hat das Abstillen funktioniert?

 

Hier meine liebsten Artikel zu dem Thema:

Little Years | Wie lange will ich stillen

Little Years | Ist Stillen immer das Beste – super Mut machender Artikel, wenn es evtl. nicht klappt oder man schlicht keine Lust hat zu stillen. Das ist nämlich auch erlaubt!

Little Years | Gedanken zum Langzeitstillen

Geborgen wachsen | Susanne grüßt die Still-Mafia und begründet, warum für das Stillen nicht geworben werden muss. Sehr guter Artikel!

Geborgen wachsen | 10 Ammenmärchen, die uns unsere Mütter gern zum Thema Stillen erzählen. (Auch meine Mami hat einiges davon gesagt – zwar sehr liebevoll, aber…)

SZ Magazin | Ein Artikel von 2009 aus der Süddeutschen. Aber aktueller denn je. Schon vor 9 Jahren war die Still-Mafia am Start 🙂

Von guten Eltern | Stillen soll nicht wehtun! Absolut wahr! Aber auch nicht gleich aufgeben, wenn Ihr eigentlich stillen möchtet. Mit der richtigen Hebamme oder Laktationsberaterin, kann man durchaus ne Menge erreichen!

Von guten Eltern | Nochmal ein schöner Artikel zum Nicht-Stillen – ganz liebevoll geschrieben.

Deutscher Hebammenverband | Ein kleines bisschen Alkohol ist beim Stillen erlaubt! Wie oft ich diesen Artikel zitiert habe, kann ich nicht mehr zählen!

VIDEO | VLOG des Fit Mum Clubs | Tipps und Tricks zum Stillen – ganz neu online.

3 Gedanken zu “„Wie lange will sie denn noch trinken?!“ oder: das Thema Stillen – einige Insights

  1. amanidafreda schreibt:

    Bin zufällig hierher geraten. Sympathischer Eintrag! Ich habe nur 4 Wochen gestillt, davon hatte ich zwei Wochen lang Mastitis mit 40 Grad Fieber landete irgendwann im Krankenhaus. Danach traute ich mich nicht mehr und habe abgestillt. 😉

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