In Mami-Hausen weht manchmal ein eisiger Wind. Oder: seid nett zueinander!

Während ich diese Zeilen schreibe, liegt meine fiebernde Tochter auf mir und schläft.

Wir haben genau eine Woche ohne krank sein geschafft…hmpf… klappt super so mit dem Jobstart … NOT. Egal!

Jetzt liegen wir also hier und ich frage mich, wie böse ich bin, dass ich sie der Strahlung meines Handys aussetze …

Aber wie trist wäre es, hier einfach nur zu liegen und an die Wand zu starren?!

Es gibt viele Bücher und Blogs die einem suggerieren, dass das aber genau richtig wäre. Alles für das Kind.

Und vielfach wird auch der so oft zitierte Attachment Parenting Begriff so interpretiert. Komplette Selbstaufgabe der Mutter bzw. sogar der Eltern. Warum genau das falsch verstandener Ehrgeiz ist und weder Kind noch Eltern gut tut, kann man hier sehr schön lesen.

Dennoch ist es verdammt schwer die Dinge vermeintlich richtig zu tun.

Interessanterweise vor allem hier in Deutschland. Oft zitiert aber wahr – den Begriff „Rabenmutter“ gibt es nur in unserer Sprache!

Und gefühlt kann man es hier als Mutter nur falsch machen.

Angefangen von der richtigen Geburt: „wieso ein geplanter Kaiserschnitt – das arme Kind“ … oder „was eine PDA … hatten wir früher auch nicht“ … oder „eine Hausgeburt … wie unverantwortlich ist das denn?!“.

Das Interessante ist: hier erlaubt sich jeder seine Meinung zu so persönlichen und privaten Themen zu äußern!

Meine Güte – soll doch bitte jede Frau mit ihrem wunderbaren Körper ihren Weg gehen und ihr Kind so auf die Welt bringen, wie es für sie passt!

Nach der Geburt trifft man auf die Still-Mafia – darüber habe ich hier geschrieben.

Und dann steigt man wieder in den Job ein. Man kann zu viel arbeiten – „das arme Kind und Du egoistische Person“. Oder zu wenig „na ja, … wenn Dir das reicht – also mein Intellekt braucht mehr“ oder zu früh anfangen oder zu spät. Oder den falschen Job haben „Reisen als Mutter“ oder total verrückt – der Vater bleibt zu Hause „also so ein Weichei“.

Wie man es in diesem Land macht, man kann ganz sicher sein, dass es jemanden gibt der dazu unverblümt seine Meinung äußert, die sicherlich nicht nett ist.

Das Gemeine ist – oftmals sind das andere Mütter. Da ist er – der eisige Wind in Mami-Hausen!

Was hier auf den Spielplätzen zwischen Sandkiste und Schaukel manchmal los ist, ist der Horror. Dagegen ist die Ellenbogenmentalität in internationalen Großkonzernen ein reinster Wellness-Urlaub!

Aber ich schweife ab – wollte nur sagen: insbesondere die deutschen Mamis machen sich gegenseitig fertig und werden fertig gemacht. Ich hab viele Freundinnen und Bekannte bspw. in der Schweiz oder in den USA – da ist man viel lockerer im Umgang miteinander.

Meine Theorie ist übrigens: dadurch dass der Staat uns hier so viele großartige Freiheiten gibt – durch drei Jahre Elternzeit, ein Jahr Elterngeld, Kindergeld etc. – dadurch tritt eine große Verunsicherung auf. Es gibt zu viele Wahlmöglichkeiten. Und im Hormonzirkus einer Schwangerschaft ist es noch schwerer eine Entscheidung zu treffen, als ohnehin schon im Leben.

Somit hadern viele Frauen im Nachhinein und sind dadurch unzufrieden und nehmen genau dies mit auf den Spielplatz.

Heißt also: wir machen uns das Leben selber schwer. Oh nein – jetzt haue ich auch noch drauf, weil ich sage, dass wir schuld sind!

So ist das nicht gemeint!

Aber lasst uns einfach noch mehr gegenseitig helfen und nett zueinander sein! ❤

Damit meine ich nicht zu unseren engen Mami-Freundinnen, das sind wir hoffentlich sowieso!

Sondern auch zu allen anderen Mamis! Die, die wir zufällig im Supermarkt treffen und die vermeintlich das falsche einkaufen. Die, die wir auf dem Spielplatz sehen, und die immer ihr Handy in der Hand haben. Oder die, die im nie da ist, weil ihr Kind krank ist. Oder die, die uns in der Drogerie ungefragt von Stoffwindeln überzeugen möchte. Oder last but not least, die die beim Kinderarzt in einem vollen Wartezimmer ihre elektrische Milchpumpe rausholt und einen Riesen-Krach macht und dein schlafendes Kind aufweckt…

Sie alle verdienen Nettigkeit! (also meistens … außer sie wecken mein Kind 🙂 )

Und sei es nur, dass wir uns alle vornehmen noch weniger zu verurteilen.

Wunderschön ist das hier von Gabriela Bozic beschrieben:

Jede von uns weiß, wie schwer es ohnehin ist, eine Mutter zu sein, und wie laut der innere Kritiker ist. Da braucht man wirklich keine zusätzliche Person, die einem sagt was man alles „falsch“ gemacht hat. Stattdessen ist es wesentlich sinnvoller, sich gegenseitig zu akzeptieren, zu unterstützen, wo es möglich ist, und ehrlich miteinander zu sein.

Ich finde das hochspannend. Wir gestatten jedem eigene Hobbys; eigene Meinungen und einen eigenen Modestil zu haben. Aber bei so etwas total privatem und persönlichen wie dem eigenen Kind, da soll es nur einen richtigen Weg geben?

Klar – ich aus meiner Position finde es sich besser, auf gesunde Ernährung zu achten und das Kind nicht 24/7 aufs iPad starren zu lassen. Und wenn ich sowas sehe und höre, ertappe ich mich auch beim Verurteilen. Oder wenn jemand mir sagt, dass er sein Kind 12 Stunden am Tag mit 3 Monaten in die Krippe gibt. Aber man kennt ja nie die Umstände. Und jede Mutter gibt ihr bestes, davon bin ich zu 99,9% überzeugt. Und manchmal geht es eben einfach auch nicht anders.

Also – hören wir auf innerlich die Augen zu verdrehen und versuchen wir jede coole Mami dafür zu bewundern, dass sie auf ihren einen Weg frauvorragend ist!

(Man ist das pathetisch – sorry 😂)

Aber dann weht der eisige Wind auch nicht mehr so doll – und das ist besser – ist schließlich offiziell Frühling.

Was meint Ihr? Findet Ihr den Wind in Mami-Hausen auch manchmal eisig? Oder habt Ihr das Gefühl, dass in Eurem Umfeld die Leute easy und entspannt sind und jeder alles so machen kann wie er mag? Wie ist die Stimmung bei Euch in Mami-Hausen?

Ich bin gespannt!

ZEIT | Nochmal zum Thema Attachment Parenting mit sehr schönen Gedanken der Autorin! Unterstütze ich absolut!

Von guten Eltern | Man braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen – keine Großstadt. Übergriffige Ratschläge im Supermarkt fallen in die Großstadt-Kategorie!

4 Gedanken zu “In Mami-Hausen weht manchmal ein eisiger Wind. Oder: seid nett zueinander!

  1. Tanja schreibt:

    Puh, das ist gut zu hören. Und ich dachte schon, ich sei die Einzige, die ständig nervige Kommentare gedrückt bekommt. Hier in China scheuen die Leute sich nicht einmal, einen anzupöbeln oder mein Baby direkt anzufassen, wenn etwas ihrer Meinung nach anders zu laufen hat. So schlimm..

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